Donnerstag, 1. Dezember 2011

Vom Schaffen und Raffen


Es gibt Leute, die schaffen es nie. und es gibt solche, die raffen es nie und raffen dabei doch allerhand.
Mein Bruder z.B. schrieb in der Grundschule einmal eine zauberhafte Geschichte über einen in der Nachweihnachtszeit wehmütig über das Fest der Lichter sinnierenden dahinfaulenden Weihnachtsbaum. Damit hat er es in keine Bestsellerliste geschafft, nicht einmal ins Ortsfernsehen, keine kostenlose Kaufland-Werbezeitung fand dieses literarische Glanzstück abdruckreif, obwohl mir bei der Lektüre ein Tränelein ins Auge lief und ich seitdem im Wald jede Tanne umarme.
Mein Sohn schenkte mir dereinst im Alter von 7 ein selbst gemachtes Comicheft. Ich bewahre das heute noch auf, aufs Sicherste in einer säurefreien Schutzhülle. Hat er dafür den Will Eisner-Award bekommen? Nicht einmal nominiert war er.
Dann jedoch gibt es die Spezies der literarischen Glückskekse, die schreiben zum Beispiel über eiterigen gürtelroseartigen Ausfluss im Vaginalbereich oder über ihre VORERST gescheiterte kleine Existenz und landen -schwuppidiwuppi- bei Anne Will auf dem Sofa oder in den Szenenachrichten im ARD-Morgenmagazin. Und sie haben ERFOLG. Jedenfalls, wenn man den SPIEGEL-Bestsellerlisten Glauben schenkt.
Was mich dabei jedoch tröstet und die Leser dieser Blogseite vielleicht auch: Ich kenne nicht EINEN, der sich Bücher übers Vorerst-Scheitern oder über Scheiden-Vorhäufe tatsächlich GEKAUFT hat.
Was mir wiederum zeigt, dass die Welt nicht GANZ aus dem Ufer läuft.
Ob es tatsächlich Menschen gibt, bei denen so etwas unter dem Christbaum liegt? Dann DOCH lieber Socken, Schlipse oder etwas in der Art.